Lernplätze für Lernende und Studierende: Wo sind sie und was meint die SP dazu
In seiner Antwort auf das Postulat von Aurora Melo Moura nach Schaffung von mehr Lernplätzen für Lernende und Studierende zeigt der Dietiker Stadtrat die schon existierenden oder angedachten Möglichkeiten auf. Er sieht sich aber nicht in der Verantwortung und verweist auf die Eigeninitiative der Studierenden und Lernenden.
Wer auf der Suche nach Lernplätzen in Dietikon ist, dem sei hier geholfen:
Das Kafi 39 im Erdgeschoss des Alters- und Gesundheitszentrums (AGZ) an der Bremgartnerstrasse 39, das sieben Tage die Woche von 8 bis 18 Uhr geöffnet ist. In diesem gilt keine Konsumationspflicht und ausserhalb der Essenszeiten ist es auch ruhig und hat viel freien Platz. Weiter erwähnt der Stadtrat das Chrüzi-Kafi, das von Montag bis Freitag von 9 bis 17 geöffnet ist. Auch das Gleis 21 mit seinen täglich unterschiedlichen Öffnungszeiten wird gemäss der Stadtratsantwort zum Lernen genutzt. Der Stadtrat stellt in Aussicht, mit den Betreibern des Gleis 21 Kontakt aufzunehmen, um dieses auch ausserhalb der Öffnungszeiten als Lernort zur Verfügung zu stellen – dies aber nur dann, wenn sich zeigen sollte, dass die Nachfrage nach solchen Lernplätzen tatsächlich hoch ist.
Ebenfalls bereits als Lernplatz genutzt werde die Bibliothek beim Stadthaus. Kinder und Jugendliche würden sich dort nach der Schule treffen, um gemeinsam zu lernen.
Nicht nur bei der Bibliothek, auch anderswo will die Stadt ihr Angebot optimieren. Der Stadtkeller und die voraussichtlich per Anfang 2025 fertig sanierte Zehntenscheune sollen sowieso Teil eines digitalen Raumreservationssystems werden. Da sie vor allem abends und an Wochenenden genutzt werden, könnten sie tagsüber gut an Studierende vermietet werden.
Weitere Optionen bieten die Dietiker Schulen: Die Betreuungsräume an der Schulstrasse 5 sowie jene unterhalb der Turnhalle des provisorischen Schulhauses Limmatfeld könnten am Abend und an den Wochenenden Studierenden zur Verfügung gestellt werden. Dafür müssen aber noch eine Buchungsplattform und ein geeignetes Schliesssystem eingerichtet werden. Bei Bedarf könne die Stadt auch noch Abklärungen hinsichtlich des Jugendzentrums an der Urdorferstrasse 34, des Clubraums bei der Sportanlage Hätschen und weiterer städtischer Liegenschaften tätigen.
Auch nichtstädtische Liegenschaften empfiehlt die Stadt. So könnten Studierende die katholische und die reformierte Kirche sowie gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften und Vereine anfragen. Die Genossenschaften und Vereine hätten diverse Lokale und Räume, die tagsüber meist leer ständen und wohl zu fairen Konditionen zu mieten wären. Und die katholische Kirche zum Beispiel hat der Stadt bestätigt, dass sie bereits heute Studierenden und Lernenden Sitzungszimmer zur Verfügung stellt.
In der Gemeinderatssitzung vom 5. September nahm Aurora Melo-Moura auf die Beantwortung ihres Postulates Stellung:
„Ich danke dem Immobilienmanagement für die ausführliche Beantwortung des Postulates. Ziel des Postulats war es unter anderem zu erfahren, welche Lernorte die Stadt bereits für Lernende und Studierende anbietet. Ich begrüsse die detaillierte Auflistung der verschiedenen Lernorte, insbesondere auch der weniger bekannten wie das Kafi39. Es wäre jedoch hilfreich, wenn die bestehenden Lernangebote besser bekannt gemacht würden, zum Beispiel durch eine leicht zugängliche Rubrik auf der städtischen Website, ähnlich wie es bereits für Freizeitaktivitäten der Fall ist.
Besonders positiv hervorzuheben ist die im Bericht erwähnte „zweite Kategorie“ von Orten, die nach technischen Abklärungen und baulichen Massnahmen künftig als Lernorte genutzt werden könnten. Dass die Stadt im Rahmen der Regierungsziele die Bibliothek als Treffpunkt neu ausrichten und die Öffnungszeiten verlängern will, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Auch die Bereitschaft der Schulabteilung, Räume zur Verfügung zu stellen oder zumindest zu prüfen, in welchem Rahmen dies möglich ist, verdient besondere Anerkennung. Ebenso begrüße ich das Ziel der Mehrfachnutzung und die geplante Einführung einer übergreifenden Buchungsplattform, die die vorhandenen Ressourcen effizienter nutzen und den Zugang zu Lernplätzen erleichtern wird.
Die Abklärungen mit den nicht städtischen Liegenschaften, wie der katholischen Kirche, die bereits kleineren Gruppen Lernmöglichkeiten anbietet, sind ebenfalls positiv zu erwähnen, auch wenn dies vorwiegend über die gängigen Jugendvereine läuft.
Trotz der positiven Aspekte gibt es aus meiner Sicht einige Punkte, die Anlass zur Kritik geben:
Obwohl im Postulat explizit von Lernenden und Studierenden die Rede ist, konzentriert sich der Bericht – vielleicht etwas kleinlich – stark auf die Studierenden. Es wäre wünschenswert, wenn auch die Bedürfnisse der vielen Lernenden in Dietikon stärker berücksichtigt würden, da viele von ihnen hier leben und in der lokalen Wirtschaft tätig sind.
Im Bericht wird zudem wiederholt betont, dass es sich bei der Schaffung von Lernplätzen nicht um eine Kernkompetenz der Stadt oder der öffentlichen Hand handelt. Wenn wir uns vor Augen führen, dass es doch die Aufgabe der öffentlichen Hand ist, nicht nur gute obligatorische Schulen anzubieten, sondern auch Ausbildungsstätten wie Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten zu unterstützen, dann sollte es doch auch eine Kernkompetenz einer Stadt sein, den motivierten Lernenden und Studierenden die Möglichkeit zu bieten, außerhalb dieser Institutionen geeignete Arbeitsplätze zu finden.
Ich verstehe nicht ganz, weshalb die Stadt so stark auf diese Abgrenzung der Kernkompetenzen besteht. Wir setzten uns bereits für Angebote ausserhalb der obligatorischen Schule ein, wie z.B. die Frühförderung. Wieso sollte diese Förderung enden, sobald unsere Jugendlichen die Sekundarstufe oder das Gymnasium verlassen? Es ist wichtig, dass die Stadt ihre Verantwortung auch über die schulische Grundbildung hinaus wahrnimmt und jungen Menschen in allen Phasen ihrer Ausbildung unterstützt.“